Dokumente

Die Geschichte Ilmors

[königlicher Chronist Aven von Pilar, im 12 Jahre der Herrschaft Hogim XVII.]

Teil 1: die lamarschen Völkerschaften in der Urzeit

Von den waldreichen Bergzügen an, die jetzt das lamarsche Land in eine nördliche und südliche Hälfte scheiden, wohnten in den frühesten Zeiten, zu denen unsere Kunde aufsteigt, die lamarschen Völkerschaften gegen Mitternacht bis zu den Gestaden des Nordmeeres. Das Meer trennte sie hier von den albischen Stämmen, in Sprache und Sitte ihnen damals so nahe verwandt, dass sie kaum durch deutliche Zeichen zu Unterscheiden waren; während der Süden des alten Lamars von Stämmen ganz anderer Art und Natur, von pallyndischen Völkern, bewohnt wurden. Pallyndi waren auch im Westen die Nachbarn der Lamar, wo der breite Granstrom beide Völker schied. Gegen Morgen erstreckten sich die Sitze der alten Lamar bis in die weiten Ebenen am Rostis, wo Orcs teils mit ihnen grenzten, teils ihnen dienten. Im Zentrum das alten Lamar lag unser heutiges Königreich, sogleich Geburtsstätte und Erbe der Ahnen.

Ein mannigfaltig gestaltetes und reich gegliedertes Land war so von den lamarschen Stämmen eingenommen. Mit dichtbelaubten Bergen wechseln fruchtbare Abhänge und milde Täler, mit wasserreichen Bruchgegenden und sumpfigen Marschen dürre Heideländer und unfruchtbare Dünen, mit öden Landstrecken, wo kaum Kiefer gedeiht, fettes Ackerland und grüne Wiesenflächen; doch ist es im ganzen kein übermäßig gesegnetes Land, nur Arbeit und Ausdauer vermögen dem Boden reichlich Ernten abzugewinnen. So ist es noch jetzt, obwohl die Geschlechter von Jahrtausenden mit eisernem Fleiße gearbeitet haben, um den Boden ergiebiger und den Anblick des Landes freundlicher zu machen. Aber ob das Land nicht mit Überfülle ausgestattet ist, erzeugten es in den ältesten Zeiten, wie jetzt, ein kraftvolles und ernstes Menschengeschlecht, voll Freiheitsdrang und mit mächtigen Trieben zu geistiger Erhebung, zugleich aber voll treuer Anhänglichkeit an den heimatlichen Boden wie an den Glauben und die Sitte der Väter.

Vielgespalten, wie der Boden, waren im Anfange die lamarschen Stämme selbst. Jeder regelte seine Angelegenheiten für sich, hatte seine besondere Weise des Lebens und Seins. Freundschaft und Feinschaft wechselten unter ihnen mit dem Umschwung der Zeiten. Da sie ohne jeden äußeren Zusammenhalt waren, konnte nicht einmal das ...

<< Zur vorigen Seite